Masterplan Medizinstudium 2020 - Reformierungspläne zum Medizinstudium

Frau RA'in Claudia Holzner, LL.M. hat sich den Reformierungsplänen bezüglich des Medizinstudiums, der sogenannte "Masterplan Medizinstudium 2020", angenommen und ausgewählte Aspekte näher beleuchtet. Zudem hat Sie die Meinungen zweier betroffener Medizinstudenten eingeholt. Diese geben interessante Einblicke in das Medizinstudium aus der Perspektive eines alsbaldigen Absolventen und eines Auslandsstudierenden.

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Wieder einmal ist das deutsche Medizinstudium im Umbruch begriffen. Nach vielen Reformversuchen und tatsächlich durchgeführten Reformen in den vergangenen 30 Jahren soll mit dem Masterplan Medizinstudium 2020, mit dem Bund und Länder die „Weichen für die Ausbildung der nächsten Medizinergeneration stellen“, die ärztliche Ausbildung grundlegend neu strukturiert werden.

 

Damit verbunden ist erstmals auch eine grundlegende Abkehr von dem Auswahlkriterium Durchschnitt der Abiturnote als herausragendes Alleinstellungsmerkmal für die Zulassung vorgenommen werden. Neben der Abiturnote sollen künftig auch kommunikative und soziale Fähigkeiten Zulassungskriterien für das Medizinstudium werden. Gleichzeitig soll dieses „konsequent kompetenzorientiert“ ausgerichtet werden. Die Allgemeinmedizin muss im Studium den Stellenwert erhalten, "der ihr auch in der Versorgung zukommt", heißt es im Masterplan. Das spiegelt sich im Maßnahmenpaket:

 

Zwar soll die Abiturnote auch weiterhin eines der wichtigen Auswahlkriterien bleiben, doch müssten die Hochschulen zusätzlich mindestens zwei weitere Kriterien bei der Auswahl der Eignung eines Bewerbers/einer Bewerberin anwenden. Hier werden genannt die sog. sozialen und kommunikativen Fähigkeiten, welche bestenfalls durch Praktika in medizinischen Disziplinen, so beispielsweise auch auf dem Gebiet der Pflege, abgebildet werden. Ähnliches soll für die nachzuweisende "Leistungsbereitschaft“ der Bewerber gelten. Hierfür fallen ganz  besonders eine vorherige tätigkeitsnahe Ausbildung in medizinischen Berufen sowie ehrenamtliches Engagement im medizinnahen Bereich ins Gewicht. Diese verstärkte Ausrichtung an praxisorientierter Qualifikation wurde in den letzten Jahren bereits daran deutlich, dass es mittlerweile möglich ist, ein Medizinstudium ohne allgemeine Hochschulreife (Abitur) zu absolvieren. Dazu müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: 1.) in der Regel die Mittlere Reife mit abgeschlossener Berufsausbildung[1]; 2.) die zweijährige Berufsausbildung muss mindestens mit der Note 2,5 abgeschlossen worden sein sowie inhaltliche Bezüge zum Medizinstudium aufweisen[2] und 3.) ist eine dreijährige Berufserfahrung im genannten Bereich erforderlich.

 

Hintergrund der Reform ist, dass das Studium bei seiner derzeitigen Struktur nicht mehr geeignet erscheint, den Arzt/die Ärztin zukünftig so auszubilden, dass einerseits dem zu befürchtenden zunehmenden Mangel an Hausärzten hinreichend begegnet werden kann und andererseits die Qualifikationen, die den Arztberuf wesentlich kennzeichnen, wie beispielsweise Empathie verbunden mit der Fähigkeit zur zügigen Diagnosestellung und Entschlussfähigkeit weder von dem derzeitigen Auswahlverfahren der Kandidaten noch von den sogenannten „Multiple-Choice-Prüfungen“ Rechnung getragen wird. Den Studierenden sollen neben Wissen auch „Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen“ vermittelt werden.

 

Das bedeutet, dass ähnlich wie in den bereits in Deutschland praktizierten Modellstudiengängen vom ersten Semester an theoretische und klinische Inhalte verknüpft und auch Lehrpraxen stärker in die Ausbildung eingebunden würden. Auch sollen am Ende des Studiums alle Studierenden in der Allgemeinmedizin geprüft werden. Um dem Ärztemangel im hausärztlichen Bereich entgegenzuwirken, spricht sich die BÄK dafür aus, Medizinstudenten gleich zu Beginn des Studiums an das Gebiet der Allgemeinmedizin heranzuführen. „Dafür müssen bis 2017 an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland Lehrstühle für Allgemeinmedizin eingeführt werden“, fordert die BÄK[3].

 

Auch der 119. Deutsche Ärztetag[4] hat gefordert, bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen psychosoziale Kompetenzen und soziales Engagement der Bewerber zu berücksichtigen. Eine Landarztquote wird hingegen abgelehnt, da nur die wenigsten Bewerber vor ihrem Studium einschätzen könnten, welche Fachrichtung sie später einschlagen wollen[5]. Der Ärztetag sprach sich dafür aus, bei der Debatte über den „Masterplan Medizinstudium 2020“ den Fokus nicht auf die landärztliche Versorgung zu richten. Notwendig sei eine interaktive Lehre, fallorientiertes Arbeiten und Lernen[6]. Reine Multiple-Choice-Fragen verleiten zu einem falschen Lernverhalten, während das OSCE-Verfahren (Objective Structured Clinical Examination) den Praxisalltag besser abbilden und sich als valides Instrument zur Prüfung klinisch-praktischer Fertigkeiten erwiesen haben[7].

 

Nicht außer Acht zu lassen ist auch der Umstand, dass durch die Europäische Studienreform (Bologna-Prozess)[8] auch das im Ausland absolvierte Studium in Deutschland anerkannt wird. Viele Studierende absolvieren daher bereits den ersten Studienabschnitt bis zum Physikum im Ausland und wechseln dann ggf. an eine deutsche Universität. Beliebte Länder für ein Medizinstudium im Ausland sind insbesondere die aus Osteuropa: Ungarn, Polen, Kroatien, Lettland und Tschechien (siehe hierzu unseren Erfahrungsbericht von Hr. Fabian Loeck). Dort wird vor allem anders examiniert, wesentlich weniger im „Multiple-Choice-Verfahren“, dafür mehr im mündlichen Prüfungsverfahren.

 

Wer im Ausland sein gesamtes Medizinstudium abschließt und danach den ärztlichen Beruf in Deutschland ausüben möchte, muss die Approbation als Arzt aus dem entsprechenden Land nachweisen. Nach der grundlegenden Richtlinie 93/16/EWG[9] wurde zunächst die gegenseitige Anerkennung der ärztlichen Grund- (und Facharzt-) ausbildung in den Mitgliedstaaten geregelt. Es galt das Verfahren der automatischen Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG[10]. Sie war die maßgebliche Richtlinie für die Migration von Ärzten im europäischen Wirtschaftsraum und sah die automatische Anerkennung der in der Richtlinie aufgeführten Studienabschlüsse und Facharztbezeichnungen in den Mitgliedstaaten vor. § 3 der BÄO wurde gemäß den Anforderungen der Richtlinie geändert[11]. Darin ist normiert, dass eine nach dem 20. Dezember 1976 in einem der Mitgliedstaaten der EU bzw. des EWR abgeschlossene ärztliche Ausbildung als eine der deutschen vergleichbare Ausbildung gilt. Eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung ist nicht erforderlich. Dies gilt auch einschließlich der ärztlichen Prüfung. Bei später hinzugetretenen Mitgliedstaaten ist auf den jeweiligen Beginn der Ausbildung nach Beitritt abzustellen[12]. Darüber hinaus ist am 1. April 2012 das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen ("Anerkennungsgesetz")[13] in Kraft getreten. Seither kann die Approbation ganz unabhängig von der Staatsangehörigkeit beantragt werden.


[1] https://www.thieme.de/viamedici/vor-dem-studium-zulassung-1494/a/arzt-ohne-abi-20543.htm
[2] ebendiese
[3] Vgl. zu Folgendem: http://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/landesaerztekammern/aktuelle-pressemitteilungen/news-detail/bei-kampf-gegen-aerztemangel-bereits-im-medizinstudium-ansetzen/
[4] http://www.bundesaerztekammer.de/aerztetag/119-deutscher-aerztetag-2016
[5] ebendiese
[6] ebendiese
[7] ebendiese
[8] https://www.bmbf.de/de/der-bologna-prozess-die-europaeische-studienreform-1038.html
[9] Richtlinie 93/16/EWG des Rates vom 5. April 1993 zur Erleichterung der Freizügigkeit für Ärzte und zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise
[10] Richtlinie 2005/36/EG des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen; Die Freizügigkeit und die gegenseitige Anerkennung der  Ausbildungsnachweise der Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, die für die allgemeine Pflege verantwortlich sind, Zahnärzte, Tierärzte, Hebammen, Apotheker und Architekten sollte sich auf den Grundsatz der automatischen Anerkennung der Ausbildungsnachweise im Zuge der Koordinierung der Mindestanforderungen an die Ausbildung stützen.
[11] § 3 Abs 1 Satz 2 BÄO
[12] § 3 Abs 2 BÄO
[13] Bundesgesetzblatt Jahrgang 2011 Teil I Nr. 63, ausgegeben zu Bonn am 12. Dezember 2011 Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen vom 6. Dezember 2011. Mit dem Anerkennungsgesetz des Bundes werden die Verfahren zur Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen im Zuständigkeitsbereich des Bundes vereinfacht, vereinheitlicht und für bisher nicht anspruchsberechtigte Zielgruppen geöffnet.

Der "Masterplan Medizinstudium 2020"- Reformversuch ohne Reform?

 

Ein Kommentar von Jörg Andreas Müller; Medizinstudent im 6.Semester

 

Die große Koalition sieht Reformbedarf bei der Ausbildung der jungen Ärztinnen und Ärzte dieses Landes. Das Studium soll jetzt durch den sogenannten "Masterplan Medizinstudium 2020" in eine bessere Zukunft geführt werden. Darin werden Ideen für eine Veränderung der Bewerbungs-verfahren sowie eine stärkere Implementierung der Allgemeinmedizin im Studienalltag gefordert.

 

So sollen mehr Studienplätze für diejenigen zur Verfügung gestellt werden, die sich bereits vor dem Studium dazu verpflichten als Landärzte zu arbeiten.

Immer mehr deutsche Universitäten versuchen unterdessen ihre eigene Reform des Medizinstudiums umzusetzen. So führten zum Beispiel die Universitäten Berlin, Hannover und Aachen eigene Studienmodelle ein. Alle anders- alle mit ihren individuellen Stärken und Schwächen.

 

Das Medizinstudium als Experiment, so mutet es dem betroffenen Studenten an. Anstatt Schritt für Schritt einige wenige Neuerungen einzuführen und diese dann auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen, entsteht eine Umbruchsituation. Diese kann nicht nach ein oder zwei Jahren evaluiert werden. Das Ergebnis sieht man erst bei den besseren oder schlechteren Ärztejahrgängen in der Arbeitswelt, nach dem sechsjährigen Studium. Ein Umstand den wir uns gesellschaftlich meines Erachtens nicht leisten können.

 

Das angestrebte Umdenken bei den Auswahlverfahren greift insgesamt zu kurz. Zwar glaube auch ich, dass die Abiturnote nicht viel darüber aussagt, ob jemand ein besonders empathischer Mensch ist. Auch die Begabung besonderes kreativ mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen umzugehen, wird durch dieses Kriterium nicht erfasst. Aber als ein neues Zulassungskriterium die Verpflichtung Landarzt zu werden einzuführen, halte ich wiederum für einen wenig sinnvollen Ansatz, da 18 jährigen jungen Menschen eine derart einschneidende Entscheidung über ihren weiteren Berufsweg abzuringen und ihnen dadurch ggf. die vielen Möglichkeiten in der Medizin zu verwehren, keine wirkliche Option darstellen kann. Als zentrale Auswahlkriterien sollten sowohl naturwissenschaftliche Begabung, als auch zwischen-menschliche Kompetenzen herangezogen werden.

 

Die Verschränkung der Gedanken auf die Allgemeinmedizin ist auch aus einem anderen Grund verfänglich: das Verschlafen der Entwicklungen der digitalen Revolution. Durch den aufkeimenden Markt an „smartwatches“ und „Gesundheits-Apps" wird die Allgemeinmedizin grundsätzlich verändert. Wenn die „Applewatch“ in Zukunft die Blutzucker- und Cholesterinwerte bestimmt und die Patienten zielgerichtet zu den entsprechenden Fachärzten schickt, wofür brauche ich dann noch den Allgemeinmediziner? Das Berufsbild des Hausarztes müsste sich grundlegend verändern: der Hausarzt müsste zum seelischen Beistand werden, der mit Rat und Tat seinen Patienten zur Seite steht. Aber dafür ist das Medizinstudium heutzutage nicht ausgelegt. Es wäre also eine inhaltlich völlig andere Reform der Allgemeinmedizin notwendig.

 

Für mich sind die Ideen des Reformvorhabens zwar Antworten auf die medial diskutierten Probleme des Gesundheitswesens, aber keine adäquaten Lösungen für die Probleme der Medizin der Zukunft. So wird nicht ausreichend über die Prüfungsmodalitäten des Studiums nachgedacht. Meiner Erfahrung nach, ist es die am wenigsten nachhaltige Form der Wissensüberprüfung Multiple-Choice-Fragen in Klausuren zu stellen. Dabei wird der Student dazu gebracht hauptsächlich altklausurbezogen zu lernen und sich auf Detailwissen zu fokussieren. Das tiefere Verständnis des Lehrstoffes steht damit nicht mehr im Kern des Interesses. Die Problematik, die sich daraus ergibt, wird vor allem im klinischen Kontext sichtbar. Der Arzt muss selbst aus den ihm vorliegenden Symptomen eine Diagnose formulieren, welche ihm nicht schon im Vorfeld vorgegeben wurde. Ich halte es deswegen für dringend erforderlich, über mehr mündliche/praktische Prüfungen im Studium nachzudenken.

Es wäre überdies sinnvoll, wenn die technischen Möglichkeiten des 21.Jahrhunderts in den medizinischen Fakultäten ankommen würden, insbesondere wenn die technisch gut umsetzbaren Möglichkeit angeboten würde, ein umfassendes Online-Podcast der Vorlesungen zu erstellen, welcher alle wesentlichen fachlichen Inhalte der einzelnen Fächer umfasst. Es ist bezeichnend, dass kein fester Lernzielkatalog für das Zweite medizinische Staatsexamen existiert. Den für den Arbeitsalltag wichtigen Fachbereichen der Medizininformatik, welche eine Schlüsselrolle in der Medizin der Zukunft einnehmen werden, ist aktuell sogar nur ein minimaler Raum im Regelstudiengang eingeräumt. So verhält es sich auch mit dem Thema des Medizinrechtes.

 

Abschließend ist festzuhalten, dass die Entwicklungen der Zukunft nicht aus dem Blick verloren werden dürfen. In zwanzig bis dreißig Jahren ist die Welt der Medizin eine andere. Unser heutiges Studium bereitet die jungen Ärztinnen und Ärzte aller Voraussicht nach nicht gut auf ihre Zukunft in dieser Arbeitswelt vor. Im Zuge der Digitalisierung wird die Ärzteschaft ihre Rolle in der Gesellschaft grundlegend neu finden müssen. Die erforderlichen Bedingungen dafür wären in einer Reform "Masterplan Medizinstudium 2020" hinreichend zu berücksichtigen.

Das Medizinstudium an der Albert-Szent-György-Universität, Ungarn

 

Ein Erfahrungsbericht von Hr. Fabian Loeck

 

Mein Name ist Fabian Loeck, ich bin 20 Jahre alt, komme aus Hamburg und studiere seit September 2016 Medizin in der kleinen Stadt Szeged in Ungarn. Die Stadt liegt ungefähr zwei Autostunden von der Hauptstadt Budapest entfernt und ist ein sehr schönes Studentenstädtchen.
Für alle, die sich für ein Medizinstudium in Ungarn interessieren, will ich die Eindrücke aus meinem ersten Semester zusammenfassen.

 

1. Die Bewerbung

Zum Thema „Medizinstudium in Ungarn war das Erste, was mir einfiel „Budapest“ und „Semmelweis“. Beim zweiten Hinschauen fiel mein Blick auf die Medizinische Fakultät der Universität Szeged, genauer gesagt auf die Albert-Szent-György-Universität . Es klang alles interessant und das nicht nur, weil der Entdecker des Vitamin C, Herr Professor Dr. med. Albert Szent György (1893 – 1986), der für seine Entdeckung 1937 den Nobelpreis für Medizin erhalten hatte, hier gelehrt hat. Er war Professor für Biochemie und hat die Universität auch mehrere Jahre als Rektor geleitet.

Zurück in die heutige Zeit: Das Bewerbungsverfahren  für einen Studienplatz verläuft über ein Online-Anmeldeportal, wo jede/r Bewerber/in ein eigenes Konto erstellt. Hierüber gibt es dann die Möglichkeit diverse Unterlagen hochzuladen. Vor der Zusage werden z.B. folgende Unterlagen benötigt: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Bescheinigungen für Praktika etc.
Nach der Zusage steht Folgendes an: HIV-Test, Hepatitis B, ärztliches Zeugnis, etc.
Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit eines Empfehlungsschreibens. Dieses kann von beispielsweise auch von den ehemaligen Lehrern/-innen stammen.

 

2. Die Stadt
Szeged liegt südöstlich von Budapest in Richtung der Südgrenze des Landes (Nachbarstaaten: Rumänien, Serbien). In der Stadt leben ca. 160.000 Einwohner,  es handelt sich um die drittgrößte Stadt Ungarns. Das Leben in der Stadt ist sehr von Studenten/innen geprägt. Es gibt eine große Anzahl an Cafes, Restaurants, Einkaufsläden, Fitnessstudios, die alte Innenstadt ist schön restauriert und lädt zum Verweilen ein. Hier passt es  gut, dass Szeged auch als „Stadt des Sonnenscheins“ bezeichnet wird.

 

3. Das Leben
Im Großen und Ganzen fühlt sich das Leben nicht anders als das Leben in Deutschland an. Deutlich niedrigere Preise (1€ = ca 300 HUF) führen zu vergleichsweise geringeren Lebenshaltungskosten, was einem als Student natürlich entgegenkommt und so einen Ausgleich zu den deutlich höheren Studiengebühren in Deutschland darstellt.

Die Kommunikation im Alltag funktioniert relativ gut.  Nicht selten mit Hand und Fuß, da die Menschen hier kaum Englisch sprechen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die Ungarn hier im Zweifel eher Deutsch sprechen können, als Englisch.

Zum Verhältnis zwischen Studenten und der Bevölkerung Ungarns, lässt sich aus meiner Sicht nur sagen, dass es keine Spannungen gibt. Jedenfalls ist mir selbst noch nichts in der Hinsicht passiert, noch ist mir etwas Derartiges zu Ohren gekommen.
Es liegt natürlich ganz wesentlich daran, wie man hier selbst auf die Menschen zugeht. Ich persönlich habe viel Entgegenkommen und Freundlichkeit erleben dürfen.

Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zählen Tram und Bus, die meisten Studenten/innen sind aber auf dem Fahrrad unterwegs. Da muss man allerdings beachten, dass die Verkehrsregeln, auch für Radfahrer/innen sehr viel genauer  beachtet und überprüft werden.

Am Anfang des Semesters stand viel Organisatorisches auf dem Plan. Beispielsweise musste jeder Student einmal zur Fremdenpolizei und sich dort eine Aufenthaltsgenehmigung organisieren. Diese erhielt man durch das Vorweisen vieler Dokumente, wie u.a. einen gültigen Mietvertrag.
Eine Einführungsveranstaltung an der Uni über Gesetze, etc. speziell für ausländische Studenten/innen fand für alle verpflichtend an der Uni statt.
Die Eröffnungsfeier zum Semesterbeginn fand in sehr festlichem Rahmen statt und wurde in ungarisch, deutsch und in englisch abgehalten.


4. Die Universität
Zu Beginn lässt sich vielleicht sagen, dass die medizinische Fakultät in Szeged auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Den deutschen Studiengang in Medizin gibt es seit 1999 gibt. Es gibt eine Fakultät für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie.

Die Vorlesungssäle und Seminarräume liegen verteilt auf einem großen Krankenhauskomplex. Präparierkurse im Anatomiunterricht haben wir in einem externen Anatomiegebäude. Alle Räumlichkeiten sind vom Stadtzentrum aus innerhalb von 5-10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Zum Anatomiegebäude sind es ca. 15 Minuten.

Eingeteilt ist unser Jahrgang (180 Studenten/innen) in kleine 20-Personen-Lerngruppen. Zusammen als Jahrgang hat man ausschließlich Vorlesungen, in den kleineren  Gruppen finden Seminare und Praktika statt.

Zum Unterricht: Wie  erwähnt ist der Unterricht gegliedert in (V) Vorlesung, (S) Seminar und (P) Praktika. Im 1. Semester hatten wir Anatomie (V,S,P), Biologie(V,S,P), Chemie (V,S,P), Physik (V,S,P), Biostatistik, Latein (falls kein kleines Latinum vorhanden) und Ungarisch.

Im 2. Semester fallen die Anatomie Seminare und Biostatistik weg. Dafür beginnt der Unterricht in  Histologie.

Im 3. und 4. Semester wird dann anstelle von Chemie, Biologie und Physik ,  Physiologie und Biochemie gelehrt.

Die Vorlesungen sind im Vergleich zu den Seminaren und Praktika besonders geeignet, um einen Überblick in die Thematik zu erhalten, auch wird regelmäßig und stichprobenartig die Anwesenheit kontrolliert. In Fächern wie Biologie und Physik lassen sich durch Anwesenheit und durch das Schreiben kleiner Tests Bonuspunkte für die Endprüfungen sammeln.

Der Unterricht in den Kleingruppen ist dann intensiver und dient dazu, das Gelernte aus Vorlesungen zu vertiefen. So können die naturwissenschaftlichen Fächer gut erarbeitet werden.

Die naturwissenschaftliche Ausbildung ist sehr anspruchsvoll und weist ein hohes Niveau auf. Allerdings sind die Dozenten/innen sehr engagiert und wollen einen wirklich unterstützen. Entscheidend ist, dass man sich wirklich mit dem Thema beschäftigt hat und regelmäßig die Veranstaltungen besucht und offen und interessiert an die Dinge herangeht.

Der Unterricht erfolgt in den ersten beiden Studienjahren (wie soll es in einem deutschen Studiengang auch anders sein) auf Deutsch. Die Dozenten/innen sprechen zum großen Teil gutes Deutsch und sind gut zu verstehen. Nach dem fünften Semester finden die Vorlesungen in Ungarisch statt. Auf Ungarisch als Sprache wird übrigens ganz besonders Wert gelegt. 

Im Großen und Ganzen wird das Unterrichtsleben durch ein Onlineportal namens „Coospace“ gestützt. Jede/r Student/in erhält eine Kennung, mit der er/sie sich dort einloggen kann. Hier gibt es für jeden belegten Kurs ein „Forum“,in dem Dozenten ihre gesamten Vorlesungen, Skripte und auch viele weitere Unterlagen hochladen (das ist sehr hilfreich). 

Die Prüfungen: In Szeged ist es so, dass es ständig irgendeine Klausur, ein Vokabeltest oder ein Testat gibt. Man muss immer auf dem Laufenden sein, und es empfiehlt sich, Fächer nicht großartig schleifen zu lassen.

Außerdem gelten während der Klausuren strenge Verhältnisse.
Der ganze Jahrgang wird auf drei Säle aufgeteilt. Zwischen den Studenten sind 3 Plätze frei und die Reihe nach vorne und nach hinten komplett unterbesetzt. Kontrolliert wird von vier bis sechs Dozenten. In der Klausurenphase wird es dann noch einmal anspruchsvoller, aber wer im Semester immer ordentlich am Ball war, kann - trotz der großen Stoffmenge - alles bewältigen.
Prüfungen in Anatomie und Chemie (die beiden großen Fächer des 1. Semesters) sind mündlich, in Physik schriftlich und in Biologie darf man sich aussuchen, ob mündlich oder schriftlich.

Um nochmal Bezug auf die oben angesprochenen Prüfer/innen zu nehmen: Es gibt natürlich mal jemanden, der einen schlechten Tag hat oder auch ein, zwei vielleicht weniger nette Prüfer/innen (wo ist das nicht so?), Trotzdem: von den vielen Gerüchten über strenge Prüfer/innen, sollte man sich gar nicht entmutigen lassen und wenn es wirklich schlecht läuft, hat man die Möglichkeit eine Prüfung zu wiederholen. Die Endsemesterprüfung habe ich mit einer 5 (Ungarisches Notensystem Top 5 – 4 – 3 – 2 – 1 Flop) bestanden.

 

5. Fazit

Um ein Fazit zu ziehen und meinen Eindruck zusammenzufassen, möchte ich sagen, dass ich jedem Interessierten/jeder Interessierten, diese Universität sehr weiterempfehlen kann. Das Niveau des Unterrichts und der Dozenten/innen ist meiner Meinung nach hoch und das Wissen wird, besonders in den Schwerpunkfächern wie Chemie und Anatomie, sehr gut vermittelt. Das Studium gibt mir, dessen Traum es schon immer war Arzt zu werden, hinsichtlich der Ausbildung die Einblicke, die ich mir erhofft habe.  Und das Leben in dieser schönen Studentenstadt, die zu den sonnenreichsten Europas gehört, ist nicht zuletzt aufgrund der Gastfreundschaft ihrer Bürger/innen wirklich schön.

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