Fr

15

Feb

2013

Xenomelie - Der Wunsch sich selbst zu verstümmeln

Es geht hierbei um das Phänomen, dass Menschen die Amputation von Körperteilen wünschen, obwohl diese völlig gesund und funktionsfähig sind. Die Betroffenen verspüren den starken und anhaltenden Wunsch nach Amputation eines gesunden Körperteils. Sie können sich mit ihrem gesunden, vollständigen Körper nicht identifizieren und fühlen sich fremd in der eigenen Haut. Betroffene erklären z.B., sie fühlten sich „wie ein Amputierter mit zwei natürlichen Prothesen.“ Die Seele fühle sich „zu einem Körper mit nur einem Bein, ohne Beine oder mit bestimmten Lähmungen gehörig“, wogegen „der Körper … dieser inneren Wirklichkeit nicht“ entspreche. Die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild der Betroffenen als dem eines Amputierten und der tatsächlichen unversehrten körperlichen Verfassung kann zu schweren psychischen Leiden führen, die sich in Depressionen, Suizidgedanken und Selbstverstümmelungen manifestieren. Berichtet wird von Selbstamputationsversuchen durch Schussverletzungen oder Kettensägen, Schädigung mit Trockeneis u.ä. Vorstufe solcher Handlungen ist oft das sog. Pretending, bei dem Betroffene eine Amputation simulieren, indem sie z.B. eine Gliedmaße abbinden und sich Hilfsmitteln wie Gehhilfen oder Rollstuhl bedienen.

 

Über die Ursachen herrscht in der medizinischen und psychologischen Wissenschaft noch keine Gewissheit, was sich auch in den unterschiedlichen Definitionen der Störung wiederspiegelt. Es bestehen psychologische, psychiatrische und neurologische Erklärungsansätze. Als am wahrscheinlichsten wird ein multifaktorielles Erklärungsmodell diskutiert, das neurobiologische, biosoziale und psychologische Faktoren mit einbezieht.

 

An der am 14.03. und 15.03.2013 an der Universität Zürich stattfindenden Tagung „Xenomelie oder der Wunsch nach Amputation“ werden zahlreiche namhafte Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern als Referenten teilnehmen und hierbei unter anderem neueste Forschungsergebnisse präsentieren. [weitergehende Informationen]

 

Unter diesem Link können die Präsentationsfolien eingesehen werden.

 


Tagung: Xenomelie oder der Wunsch nach Amputation
Tagung am UniversitätsSpital Zürich
Do, 14. März 2013
Fr, 15. März 2013
Podiumsgespräch Xenomelie Zürich 2013 .p
Adobe Acrobat Dokument 894.9 KB

RA Andreas Manok LL.M. (Fachanwalt für Medizinrecht und Arbeitsrecht) hat das kontrovers diskutierte Thema Xenomelie aus der rechtswissenschaftlichen Perspektive betrachtet und seine Erkenntnisse in den Leipziger Juristischen Studien unter dem Titel "Body Integrity Identity Disorder: Die Zulässigkeit von Amputationen gesunder Gliedmaßen aus rechtlicher Sicht" veröffentlicht.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Der Newsletterempfang kann jederzeit widerrufen werden.

29. und 30.09.2017 in der SLÄK

6. Dresdner Medizinrechtssymposium
5. Dresdner Medizinrechtssymposium
4. Dresdner Medizinrechtssymposium
3.Dresdner Medizinrechtssymposium
2. Dresdner Medizinrechtssymposium
Klinische Auftragsforschung - Ein Geschäftsfeld im Krankenhaus
www.klifo-im-kh.de
Datenschutz in der Medizin
in Kooperation mit www.update-bdsg.com
1. Dresdner Medizinrechtssymposium 1. Dresdner Medizinrechtsymposium
Masterstudiengang "Medizinrecht LL.M."
Masterstudiengang "Medizinrecht LL.M."